Resumé des Semesters

Dienstag, 07.03.2017

Liebes Lesertier,

lang, lang ist's her! So wie bei den meisten Auslandsbloggern hat mich irgendwann die Aufschieberitis überkommen und der Blog aus meinen Gedanken entwichen. Da mein Semester in Osaka jetzt allerdings schon vorbei ist, nutze ich die Gelegenheit, um einige Storys zum Besten zu geben, wobei ich nicht versprechen kann, dass ich mich an alle Details und die richtige Reihenfolge erinnern kann. 

Was bisher geschah: Ich war viel im Nachtleben Osakas unterwegs. Naja. Im Wesentlichen kam dann bald eine recht stressige, sehr intensive Zeit.

Es Begann mit einem schicksalshaften Tripp nach Kyoto, Japans Kulturhauptstadt. Hier hatte der japanische Kaiser bis 1869 seinen Sitz, bevor er nach Tokyo umgezogen ist.

(Genau hier. Zu hohe Decken, schlecht isoliert, vermutlich schlechte Internetverbindung...so ein Kaiser hatte es nicht besonders gut. Für das künftige Schächtonenhauptquartier nicht geeignet.)

Im Prinzip ging Folgendes von statten: Zusammen mit meinem Squad bin ich zunächst in den Disney Store, bin total ausgeflippt in meinem Rumgegeeke, habe eine 20 Euro Star-Wars-Handyhülle gekauft und anschließend einen Kimono gemietet.

(#katholischesinternat? #darferdas?)

Damit sind wir dann los, um den berühmten Pfad mit den 1000 Toren zu besteigen.

(ein Stück des Weges...eins von ca. drölf Millionen.)

Das sind mehrere Stunden Wanderung, was dir schon deutlich machen sollte, was das für eine bescheidene Idee gewesen ist..denn im Kimono hat man keine Taschen, es ist doch recht warm, zumindest bei den feuchtschwülen Temperaturen Westjapans, weshalb man ordentlich schwitzt, man muss seinen Rock häufig beim Gehen heben, und wenn man dann auch keine Regenschirme mitnimmt, ist man dem Wetter auf Gedeih und Verderb ausgesetzt. Oh well... An sich war es ein sehr schöner Tag, aber ich bin mir recht sicher, mir auf diesem Ausflug Japans Götter zum Feind gemacht zu haben...denn leider war ich so töricht, an einem der kleineren Tore im Wald Klimmzüge zu machen und auch sonst recht respektlos dem ganzen Gedöns gegenüberzutreten..was kann mir denn schon ein lokaler Fuchsgott? Ich deadlifte schließlich 170... Naja.

Danach ging es dann los: locker sechs Wochen habe ich total kränklich rotzend mit Maske zugebracht, insgesamt drei Erkältungen, alle hintereinander.

(wöööööörd, bruuuh)

Allerdings erst kurz vor Halloween, die Götter rächen sich perfide und spät. Es gab eine Semesterwillkommensparty, die ich auf keinen Fall verpassen wollte, obwohl ich schon leicht fiebrig war. Und da ich, wie die Leute v.a. in Osaka wissen, ein recht wilder und begeisterter Tänzer bin, insbesondere wenn man ein paar dieser doch recht strammen "Strong Zeros (9% Alk Zuckerbrühe - eklig, aber billig) vorher geprostet hat, habe ich nicht nur die Standardmoves gezeigt, sondern mich auch als Gruppenagitator hervorgetan und alle mit sehr ausgiebigem Gehampel angestachelt. Das funktionierte zwar, allerdings hat seitdem 1) meine graue Jeans auf den Knien ein dunkle Verfärbung (vom "Wurm" auf dem Boden), und 2) war der Großteil der Veranstaltung draußen angesiedelt, und da ich dazu tendiere, angetrunken mein Shirt auszuziehen, gab es eine mächtige Schwitzerei im Tanktop bei doch recht niedrigen Temperaturen. Am Folgetag ging es mir entsprechend recht schlecht, die verflixte Stimme war quasi weg, aber es stand auch schon die Halloweenparty im internationalen Wohnheim an, die ich ebenfalls nicht verpassen wollte. Also bin ich mit meinen Jungs Australier F und Brasilianer J in den Zug um ein zu Kostüm kaufen...Ach, ich hätt "enfach mim Arsch dahämm bleiwe solle", wie meine Mutter wohl sagen würde. Naja, diese Party hat sich als noch schlimmer erwiesen, da ich auch hier fiebrig rumgewackelt und anschließend dann sogar noch mit in einen Nachtclub Downtown gewandert bin. Zu meiner Verteidigung: in der Gruppe gab es eine sehr hübsche Japanerin *hust* - was soll man machen... 

Dann lag ich erst mal eine Woche auf der Schnauze. Konnte in zwei Tagen nur ein Mal zum Einkaufen, und danach auch nur sporadisch ohne Hunger. Das hat mir die Gains weggefressen, mein lieber Scholli. Locker drei Kilo in einer Woche, konnte meine Schultern buchstäblich schrumpfen sehen...... Nach meiner Rückkehr zur Uni war ich einen Tag munter und bald drauf kam das nächste Kratzen im Hals.

Naja, zwischendurch war ich mal ein paar Tage gesund, während derer ich mit meinem Austauschprogramm nach Hiroshima gefahren bin, um einer Atombombenüberlebenden zuzuhören und einen berühmten Schrein auf einer vorgelagerten Insel anzusehen....siehste, wieder ein Schrein!!!! Ich habe mich natürlich auch wieder daneben benommen, allerdings im Friedenspark Hiroshimas, nicht an einem Schrein an sich, aber.... .... .... Kopf in die sogenannte "Friedensglocke" gesteckt und ein Bild gemacht. Fand ich zu dem Zeitpunkt sehr witzig, aber so ex-post,...meh...

 (Tipp: NICHT NACHMACHEN!!! Es wird Dich deine Kreditkarten kosten, ca. drei bis vier Monate später)

(Insel Miyajima vor Hiroshima; tolle Natur und viele Schreine sowie Rehgetiere. Hawt stuff, I have to say.)

Daheim war ich dann wieder krank. Nach dieser zweiten Erkältung ging es denn auf Wanderung in die Berge, was dank des japanischen Herbstlaubs und guten Wetters wunderschön war, aber an dem Tag habe ich mir auch eine taiwanesische Freundin vergrault, nachdem ich einen Witz darüber gemacht hab, dass Taiwan doch Teil Chinas sei..die verstehen da keinen Spaß!!

Und als ich Abends beim Karaoke (mein erstes Mal!!!) die Tür hinein bin, während sie einen taiwanesischen Song zum Besten gab, und direkt in schallendes Gelächter ausbrauch, war wohl alles verloren. Shit, einfach mal die Fresse halten, GG!!!!!! Wenn ich eins hier gelernt habe, dann ist es, dass ich keinerlei Taktgefühl besitze..Daran gilt es zu arbeiten. Hat auch ungefähr geklappt, seitdem gab es zumindest keine extrem peinlichen Situationen mehr, also hatte es zumindest was Gutes in Form charakterlichen Fortschritts, schätz ich.

Naja, und dann wieder krank. Bedenke, dass es hier schon fast Weihnachten war! So lange zog sich das hin, und viel mit Ausflügen war dann auch nicht mehr. Während der Ferien und anschließend wollte ich dann meine sog. Studienarbeit schreiben, die 15% meiner Examensnote ausmacht und, im Ausland verfasst, regelmäßig besser bewertet wird als daheim. Also brachte ich meine Ferien damit zu, zu recherchieren, ein Konzept zu entwickeln und Zeug zu schreiben - nur um dann im Januar zur der Erkenntnis zu kommen, dass die Arbeit wissenschaftlichen Standards nicht standhalten würde, weil es bei meinem Rechtsvergleich nur einen einzigen Aufsatz in einer mir verständlichen Sprache zum japanischen Rechtsteil gab...das reicht nicht! Hatte gehofft, irgendwo auf Quellen zu stoßen und habe das Problem immer wieder nach hinten geschoben..Naja. Insgesamt hat mich das vier Wochen Arbeit gekostet, die meine Weihnachtsferien sehr stressig gestaltet haben und im Endeffekt komplett für die Katz waren..Miau.

Weihnachten habe ich übrigens mit Freunden in einem italienischen Restaurant und anschließend einer Kneipe verbracht.

Sehr sinnlich haha. Silvester war ähnlich, zunächst ein Pub und danach Karaoke, währenddessen ich einfach eingepennt bin. War insgesamt nicht so geil für mich muss ich sagen..

Jedenfalls war ich nach dem Abbruch meiner Studienarbeit erst mal etwas ausgebrannt und habe mich für 1-2 Wochen in meinem Zimmer verkrochen, ein paar Romane vom "Rad der Zeit" gelesen und ansonsten jegliche Gesellschaft gemieden. 

Irgendwann war dann die Isolationsphase vorbei und ich wieder zu sozialer Interaktion fähig. Dann geschah meines Erachtens eine der seltsamsten Storys des Semesters:

Ich war mit Däne D zunächst auf einer internationalen Party Downtown, um mit Japanern in Kontakt zu kommen und recht günstig gut zu speisen und zu trinken. Hat recht annehmbar funktioniert, auch wenn die Japaner dort echt komisch waren, jedoch sind wir dann wieder in unserem Stammclub gelandet, und hier wird es seltsam. Ich erinnere mich nicht an allzu viel, aber daran, irgendwann mal einen Becher auf dem Tresen stehengelassen zu haben, als ich zum Dancefloor bin. Nach meiner Rückkehr hab ich ihn dann geleert, und danach wird meine Erinnerung recht schwummerig. Däne D sagt, ich seit dauernd zu ihm gekommen und habe behauptet, jemand hätte meine Brühe weggesoffen und daraufhin einen neuen Drink gekauft. Ich schließe daraus, dass mit entweder jemand etwas ins Gesöff gemischt ist, oder ich einfach zu schnell zu viel getrunken habe, oder sogar beides. Ich weiß nur noch genau, dass ich irgendwann (mal wieder) im Tanktop draußen auf der Straße gesessen habe, einen Kommilitonen getroffen habe, mich in ein Taxi gesetzt habe und alleine heimgefahren bin, in dem Bewusstsein, dass ich dringend heim musste, da das sonst ungut enden würde. Beweis ist, dass mein neues Handy am unteren Rand einen nicht ganz unbeachtlichen Riss aufweist haha. Das Problem ist: Ich hatte noch den Schließfachschlüssel mit meiner und der Jacke Ls am Arm als ich aufgewacht bin. Ich habe den armen Tropf in der Kälte nur in seinem Hemd zurückgelassen, während ich mit dem Taxi schön warm heimkutschiert wurde..Übrigens bin ich mit 15000 Yen aufgebrochen, und am nächsten Morgen hatte ich noch 1000...sauteurer Abend!

L war zunächst sehr wütend am Folgetag, aber als er mich in meinem elenden Zustand sah, war er zufriedengestellt und hat mir einen SEHR seltsamen Vorgang geschildert: Nachdem ich ihn sitzengelassen hatte, hat er sich eine kleine Taiwanesin gesucht, die ihn buchstäblich bis nach Hause warmhalten sollte. Das hat sie zwar auch getan, aber zu Hause kam es dann nicht zu weiteren..naja..Aktivitäten, sondern L war so müde und durchgekühlt, dass er einfach nur schlafen wollte. Daraufhin hat ihm seine Taiwanesin taiwanesische Lieder vorgesungen bis er eingeschlafen ist...als wäre das nicht schon strange genug, hat sie daraufhin nicht geschlafen - Nein! - sie hat auf ihrem Handy Filme geschaut und ihn beim Schlafen beobachtet, weil sie zum einen nicht mit Kontaktlinsen schlafen, zum anderern ihn beim Schlafen beobachten wollte. So war das. Und als er sie am Folgetag zur Bahn brachte, hat sie ihn gefragt, ob er schon einmal einen Geist gesehen habe, denn anscheinend hat sich einmal ein weiblicher Geist an ihre Bettkante gesetzt, den sie zunächst für ihre Mutter gehalten hat, was sich dann als falsch herausstellte.

Stell ich mir irgendwie so vor. Laut Aussage von L war die Taiwanesin ebenfalls nicht ganz so ansehnlich, könnte also hinkommen..(Stell ich mir irgendwie so vor. Laut Aussage von L war die Taiwanesin ebenfalls nicht ganz so ansehnlich, könnte also hinkommen..)

SO EIN VERRÜCKTER BLÖDSINN! MIR EIN RÄTSEL, WIE MAN SO EINEN UNFUG VON SICH GEBEN KANN!!

Naja. Immerhin ist eine coole Story bei rumgekommen.

Ansonsten war ich mit meinen Freunden noch unterwegs in den Universal Studios Japan,

im Himeji Castle

und beim Karaoke. Ging alles recht schnell vorbei, war sehr schön und ging ohne weitere Vorfälle von statten.

Am 28.02. bin ich dann aus meinem Wohnheim ausgezogen und mein lieber Freund F ist zurück nach Australien gereist. Man, was hab ich da wieder geheult. War echt schlimm, und wenn ich dran denke, dass jetzt bald die nächsten Abschiede folgen, wird mir schon ganz unwohl..

(*crying like ya mama when she looks inda mirror, bruuh*)

 

Jedoch nahm das Unglück dann wieder seinen Lauf. Da ich ja seit dem 28.02. auch obdachlos bin, bin ich quasi dauernd wo anders, in Hostels, und lerne jeden tag neue Leute kennen.

Jedoch habe ich am zweiten Tag meiner Reise erst mal meinen Geldbeutel verloren...Ausländerkarte, Kreditkarten, Bankkarte, mein geliebter Kinderausweis mit Kinderbild, den ich immer den Damen zeige,.. alles weg..

Nach fünf stressigen Stunden an allen möglichen Bahnstationen und auf der Polizei musste ich mir dann von meinem deutschen Freund H Geld borgen, damit ich wenigstens flüssig war. Davon galt es dann eine ausreichend große Reisetasche zu kaufen und zwischen diversen Städten umherzureisen sowie meine Unterkunft und Lebenshaltungskosten zu decken. Musste auch noch meinen belgischen Kumpel J anpumpen. Habe beide natürlich direkt mit meinem deutschen Konto ausgezahlt, aber das Loch in meinem Budget ist recht erheblich. Wenigstens hat keiner meine Kreditkarten benutzt bevor ich sie sperren konnte -.-

Seit dem war ich in Kobe (ziemlich beknackt, alles, was ich angucken wollte, war wegen Instandhaltungsarbeiten gesperrt) und Kyoto sowie Nara, wo ich etwas Sightseing gemacht habe. Auch war ich zwei Tage in Osaka, um nochmal mit meiner Kommilitonin, Brasilianerin K, feiern zu gehen.

Nach meiner Rückkehr ist mir in einem Kyotoer Club beim Tanzen meine kurz vor meiner Abreise gekaufte Levi's Jeans gerissen, die sauteuer war.

(Scheiße.)

Also nochmal über 100€ für ein neues, anderes Modell, denn: die Rechnung der anderen Hose war natürlich im verlorenen Geldbeutel haha. Am gleichen Abend habe ich Geld von meinem japanischen Konto abgehoben, und auf dem Weg vom Geldautomaten zur Kneipe habe ich doch glatt einen 10000 Yen Schein (83€) irgendwie verloren, als ich das Geld zwischen verschiedenen Taschen verstauen wollte, weil ich noch keinen neuen Geldbeutel habe. Das heißt, dass ich bei der Schutzmaßnahme vor Geldverlust Geld verloren habe. Nun bin ich wieder in Kyoto, und morgen gehe ich nach Osaka meine neue Kreditkarte abholen.

Ach liebes Lesertier, leider konnte ich dir heute nicht sehr mit meinem üblichen Witz dienen. Es geht mir dennoch gut, auch wenn ich etwas ärmer als sonst bin, ich lerne täglich neue Leute kennen und habe eine gute Zeit beim Reisen. Wenn ich dann in Osaka auch noch eine neue Ausländerkarte abgeholt habe, werde ich mich in Richtung Tokyo aufmachen. Sicherlich wird mir auch während dieses Unternehmens einiges unterkommen, was nicht so geil sein wird, aber inzwischen habe ich eine sehr dicke Haut entwickelt und bin in der Lage, so einiges einfach hinzunehmen.

Achtung, editiert: Tatsächlich ist weiteres Unglück vom Himmel gestürzt, wenn auch nichts allzu Schlimmes: Bin heute zwei Stunden durch die Pampa geirrt, irgendein beknackter Vorort Osakas, an den die Züge nur alle 20 Minuten oder so fahren, um meinen Kreditkartenpin in einem wegen Abwesenheit nicht zustellbaren Pakets abzuholen. Hat natürlich nicht funktioniert...wenn ich die Office Lady richtig verstanden habe, war der Fahrer gerade zu dem Zeitpunkt unterwegs, das Paket an meinen Kumpel auszuliefern, der natürlich in Kyoto unterwegs und daher nicht daheim gewesen ist. Also wieder ein Tag für die Katz, und ich sitze zum dritten Mal im gleichen Hostel in Osaka und werde inzwischen wie Familie begrüßt :(:(:(:( Immerhin kann ich mit der neuen Kreditkarte schon bezahlen, wenn auch kein Geld abheben..

Bitte fasse den vorherigen Bericht nicht so auf, als hätte ich mein Semester nicht genossen und bereute es nun. Ich habe sehr viel über mich selbst gelernt und mein Weltbild hat sich durchaus etwas gewandelt. Japanisch spreche ich immer noch nicht, aber es wird langsam etwas besser mit dem Verstehen und ein paar Sätze kriege ich schon raus. Ich habe sehr gute Freunde gefunden, und auch wenn ich viele vermutlich nie wieder sehen werde, war es die gemeinsame Zeit durchaus wert, und ich denke, dass man im Endeffekt nur wenig bereut, und insbesondere das, was man nicht gemacht hat, obwohl man es immer wollte.

Falls es dich interessiert: meine Erfolgssträhne mit den Homosexuellen hält bis heute an, ist sogar noch ausgeprägter geworden. Keine Ahnung, muss ich wohl einfach mit klarkommen. Anfangs war es ja noch schmeichelnd, aber mit der Zeit ist es durchaus frustrierend, wenn man dauernd begrabscht wird. Oh well, was soll man machen haha.

Am 21.03. ziehe ich in mein neues Wohnheim auf der Insel Kyushu, in der Stadt Beppu. Dort gibt es zwar keine Nachtclubs, aber dafür viele heiße Quellen, ein Unigym, fast 50% ausländische Studenten, alle Vorlesungen sind auf englisch und der Campus liegt auf einem Berg am Meer. Die Gebäude könnte glatt aus einem Manga stammen, und ich freue mich sehr auf das kommende Semester an der Ritsumeikan Asia Pacific University (APU), an die ich wechseln muss, weil ich ja leider nur ein Semester an der Osaka University gekriegt hatte, nachdem die Uni Heidelberg statt drei Studenten jeweils ein Jahr lieber sechs für sechs Monate geschickt hat..madness!!

Aber: ich habe meine eigene Dusche, Toilette und gegenüber vom Dorm ist ein Badehaus mit heißer Quelle - olé! Ich werde versuchen, es diesmal etwas ruhiger angehen zu lassen, mich auf's Japanischlernen und Japanerkennenlernen zu konzentrieren, damit ich nicht wieder in die Erasmusfalle tappe, d.h. nur mit anderen Ausländern befreundet bin. Japan wird dieses Mal anders präsentiert werden, etwas ländlicher, ruhiger - vermutlich brauche ich genau das!

Bis dahin

GG 

P.S.: Vielleicht gibt es bald einen neuen Artikel, falls in Tokyo was interessantes passiert. Ich will mir mal einen dieser Megaclubs angucken, in die mehrere tausend Leute reinpassen.

Wie man in Japan Männer aufreißt

Dienstag, 11.10.2016

Wertes Lesertier,

eine kleine Weile ist es her, seit ich mich bei dir gemeldet habe. Leider muss es auch hier gelegentlich Pausen geben, damit Erzählenswertes passieren kann, was zunächst am Wochenende geschah.

Anfangen sollte ich wohl damit, dass im Tsukumodai-Wohnheim der Universität Osaka eine Party stattfand, auf der ich feierwütiges Ungetüm freilich auftreten musste. Gesagt, gelaufen, getan. Nur ca. 2 Kilometer Fußweg von der Monorail-Station zum Wohnheim. So ein Mist aber auch - da waren die Füße schon halb ausgelatscht, bevor ich meine Moves überhaupt erst präsentieren konnte. Vor Ort angekommen war es von der Location her - ok bis meh bis irgendwie vertretbar. Das Licht war sehr hell, was für 'ne Party sehr schlecht ist, denn dann kann man besser erkennen, dass die meisten Leute doch schlechter aussehen als es die objektive Gerechtigkeit eigentlich verlangt. Naja. Nachdem wir unsere 108 Yen Pseudobiere mit 9% aufgemacht hatten, ging es dann doch recht zügig mit dem Kennenlernen neuer Leute. Jedoch insbesondere bei Männern...

Wie du weißt, liebes Lesertier, bin ich leider nicht schwul, auch wenn mich des öfteren Leute dessen bezichtigen. Vermutlich wäre mein Leben dann auch bedeutend leichter, aber man kann sich sowas einfach nicht aussuchen. Was man sich aber aussuchen kann, ist das eigene Tshirt. Und das habe ich eher ... unzweckmäßig getan. Mein Lieblingsshirt besteht aus Polyester und Elastan ist ist knallpink. Also richtig fucking grell und superawesomemegageil. Und es ist sehr figurbetont. Also alles, was der Hobbyproll von heute so braucht, um aufzufallen. Naja. Das Shirt ist allerdings nicht nur bequem, sondern es zieht anscheinend auch die Herren an und hält die Damen fern. Ich weiß, dass ich das Wort oft nutze, aber DUDE: so eine scheiße aber auch! Einer der etwas angeheiterteren Herren ließ es sich nicht nehmen, mich von oben bis unten zu betatschten, obwohl es mir sichtlich unangenehm war. Ich sollte wirklich in Zukunft mal deutlicher nein sagen lernen, zumal sich diese Ereigniskette fortsetzt. Doch alles der Reihe nach.

Nachdem ich von diesem Herren fliehen konnte, hat einer der Engländer ein Mädel auf die Schultern genommen und alle haben seine Kraftleistung beklatscht. Das störte mich aus vier Gründen:

1. Engländer dürfen nicht mehr bewundert werden als ich, ordnungsgemäßer Deutscher, denn sie haben die EU verlassen.

2. Keiner auf einer Party darf stärker sein als ich.

3. Ja.

4. #arroganzmodusoff

Was tut der echte Deutsche von heute also? Er schwingt sich eine Französin auf die Schultern und klemmt sich eine weitere Dame zwischen die Arme und zack - er macht richtig gute Kniebeugen. Arsch bis zum Boden, bis es richtig burnt. Das ist nicht nur gut für die Quads, sondern auch für die Partystimmung. Nach 5 Wiederholungen musste ich die beiden Damen dann allerdings runterlassen, denn derartig wackelige 100 Kilo war ich dann doch nicht gewohnt. Allerdings wurde es nicht besser, denn dann schwang unser Freund, Däne D, sich auf meine Schultern, und der fühlte sich trotz weniger Gesamtlast mit seinen ca. ü90 Kilo noch schwerer an, denn er wackelte da oben ziemlich rum. Nach drei weiteren tiefen Squads war dann das Ende erreicht und GG mächtig stolz. Sollte jedoch nicht lange halten. Als ich dann von einem Lauch-Ägypter zum Armdrücken herausgefordert wurde, kam die lächerlichste Aktion, die ich in den letzten Wochen fabriziert habe: 4x in Folge gegen den Knecht verloren. NICHT - ZU - FASSEN. Auch wenn mir mein geliebter Mitbewohner B durchaus schon einmal gesagt hatte, dass Armdrücken viel mit Technik zu tun hat, kann ich immer noch nicht glauben, dass die Sache so dermaßen danebenging. ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... .. .. .. . . ... 

Hätte echt das Youtube Tutorial vorher gucken sollen. Aber so ist das Leben eben, wie mein Bruder als Kind immer zu sagen pflegte.

Schwer im Stolz verletzt trommelte ich daher eine Horde von Leuten zusammen, um nochmal clubben zu gehen. Seit ich hier bin, habe ich echt Gefallen am "Tanzen" gefunden. Gesagt, getan, Abfahrt. Natürlich nachdem die 2 Kilometer bis zum Bahnhof überwunden waren. Bis zur Disco hat es dann doch nochmal über eine Stunde gedauert, und nachdem wir in dem doch eher der "High-Class" zugeordneten Etablissement angekommen waren, ging das Tshirt-Debakel weiter...

Nach 1-2 Bizepstatschern wurde ich langsam unruhig, denn erneut waren es nur Männer, die mich ansprachen. Irgendwas war da mächtig fishy, aber ich kam nicht direkt darauf, was es war. Allerdings erschien dann ein mächtig bemüht tanzedner Japaner, der mich sogar auf eine VIP-Party nach Kobe einlud, auf der er DJ sein würde. Nachdem ich ihn zunächst nur für sehr kollegial hielt, wurden seine Körperkontaktsgesuche doch etwas ausschweifend. Ich tanzte mich also in Richtung meines noch recht neuen Freundes Brasilianer J, der mich dann darüber informierte, dass der Typ "mich bad wantede". Ugh... Also langsam wurde ich doch sehr skeptisch, was es an dem Abend war, und warum mir die Frauen eher aus dem Weg gingen. Als dann ein Weißer kam, der direkt recht eindeutige Annoncen machte, informierte ich ihn, dass ich leider nicht schwul sei. Dann wurde er doch recht ungehalten und beschwerte sich, dass ich als Heteromann doch nicht so ein Shirt anziehen könne.

#Bäm.

#Indaface.

#Gayscolded.

Immerhin wusste ich nun, was es war, das diese seltsame Wirkung verbreitete, aber ey: im Prinzip kann ich mein Lieblingsshirt jetzt vergessen. Dabei passt es so gut cry

Ich tanzte also von nun an eher in Nähe von J, um mich weiterer Gesuche zu entziehen, was größtenteils geklappt hat. Um 5 ging es dann wieder nach Hause, was, wie auch die vorherigen Male, ein Kampf gegen die eigene Müdigkeit ist.

Hier ein Bild, dem Tode nahe, auf dem man auch das Shirt sehen kann:

(Déjà-vu? #dead)

Lass dir eins gesagt sein, Lesertier: In Japan solltest du dich anders anziehen. Echt. Und am besten an anderen Orten ebenfalls.

So viel zum Club.

OH.

Ich war auch im Osaka Castle und in "DenDen Town", wo es den ganzen Anime- und Mangakram gibt.

(Kool and the Gang)

   (Kendo Turnier im Schlossdojo)

(Pornoladen in DenDen Town. Tipp: Stell dich davor, verschränk die Arme und schüttele jedes Mal, wenn einer raus kommt, mit gesenktem Blick den Kopf. Ist unheimlich spaßig für den gehässigen Durchschnittsmenschen)

(Kamehameha! #Supersayin)

(zurückgelegte Distanz seit 00:00 Uhr. Nicht schlecht.)

Das Schloss fand ich sehr geil, jedoch konnte mich DenDen Town auch bei meinem zweiten Besuch nicht überzeugen. Der ganze Moe/Kawaii (=niedlich) - Fetisch bleibt mir zur Gänze ein Rätsel. Die Zeit und das Geld sollten die Japaner vielleicht besser außerhalb der eigenen 4 Fapwände verbringen und echte Leute kennenlernen. Just thinking..

Naja, so viel für heute. Bald steht die nächste Feier an, und ich bin sicher, dass ich wieder mächtigen Unsinn zu erzählen haben werde.

Bis dahin

GG

 

Wie man mindestens sechs Japanerinnen in der Disco vergrault

Sonntag, 02.10.2016

Liebes Lesertier,

in Anbetracht der Tatsache, dass ich in Deutschland Clubbing bisher meistens recht problemlos umschiffen konnte, weil scheiße, finde ich es in Japan doch sehr unterhaltsam. Da hier eh für einen Europäer alles recht albern erscheint, kümmert man sich einen feuchten Kehricht darum, sonderlich cool zu sein, und tanzt deshalb einfach wirr drauf los. Naja, ich zumindest. Und sieht lächerlich dabei aus. Macht aber richtig Laune. Und überraschenderweise schafft man es damit, die um einen herumstehenden Leute auf einen aufmerksam zu machen, denn anscheinend strahlt man so eine gewisse Selbstsicherheit aus, so u.a. auch Freud, How to get the bitches, 3. Aufl., Osaka 1904, und Hasselhoff, Vom Wesen der Wesentlichkeit asiatischer Wesen, 29. Aufl., Ostberlin 1989.

Aber zum gestrigen Abend: Ich war clubben, duh. Zunächst gab es ein gewaltiges Sausage Fest in meiner Höllenspielunke des Todes (Wohnheim), bei der wir einander als Bewohner besser kennenlernen sollten. Zunächst hat Japaner S mit seiner Flöte etwas Japanisches gedudelt, wobei ihm mehrfach Papier und Notenstände weggestürzt sind. Ansonsten ganz nett. Danach gab es eine kleine Ansprache und demfolgend Speis' und Trank. Wir haben uns dann entschieden, mit sechs Leuten ins Partyviertel Osakas loszuziehen, um vor Beginn der Vorlesungen noch einmal einen draufzumachen, wie die Kitts on se Strieht heute so sayen. Im Club angekommen fiel direkt auf, dass es hier sehr viele Ausländer gab; mich deuchte, dass man hierherkommt, um gegaijinhunted zu werden (Gaijin = Ausländer, japanisch; von Japanern, die ein Faible für Ausländer haben, aufgerissen zu werden). Naja, gibt Schlimmeres. Zum Beispiel gedschihated zu werden (Dschihaten (Dschihad + haten) = Einen Shitstorm und anschließend einen Bombengürtel abkriegen, arabenglisch).

Nachdem wir dann leicht angedudelt waren, fing unser Freund Däne L wild an rumzutanzen, und zwar auf lächerlichste Art und Weise. Gefiel mir gut, also machte ich mit. Und zack: eine Horde Japanerinnen kommt zum Bergen der Fracht. Die Gespräche mit ihnen verliefen allerdings recht gleichmäßig, sodass ich folgenden Guide für das erstmalige Clubaufreißen von japanischen Damen entwickelt habe.

1) What's your name? -> Du sagst deinen Namen, oder ein Pseudonym, z.B. Festus oder Sylvester. NICHT: Your daddy.

2) Where are you from? -> Du sagst, wo from du arest. Hier: Germany.

3a) What are you doing in Japan? -> Du sagst, was du doest. Wenn du beeindruckend bist wie ich, antwortest du: Student at Osaka University.

4a) Done (da die Osaka University sehr berühmt und begehrt ist in Japan.)

3b) How do you like Japan? -> Du sagst: I love it. Everybody is so polite, friendly and pretty (gleichzeitig guckst du sie freilicht an) Beinahe: Done.

4b) So which one of us do you like? -> Wait what? Shit. Naja. Vielleicht passiert diese Option auch nur mir, denn ich wurde von einer Gruppe von Mädels angesprochen, und die Wortführerin wollte, dass ich mir eine Dame aussuche. Lesertier: Sowas passiert in Deutschland nicht. Ehrlich. Zumindest nicht mir. Und selbst in dieser recht leicht zu lösenden Situation (richtige Antwort: Entweder auf die Wortführerin oder irgendeine dir genehme Dame zeigen) habe ich es geschafft, die ganze Truppe zu vergraulen. Muss man(n) erst mal einer hinkriegen...naja, so solltest du es jedenfalls nicht machen: "Oh no, I can't decide; you're all so pretty." So fliegt man bei Günther Jauch bei 50€ raus. Merke dir: Wenn du zu schüchtern bist, eine Entscheidung zu treffen, aus Angst, die anderen irgendwie zu kränken: Nimm eine Bierflasche und schlag sie auf deinen eigenen Kopf. Dann wirst du eine Platzwunde haben und alle kümmern sich um dich. - Done -      Hab ich auch nicht gemacht. Nach dreimaliger Aufforderung "But you have to decide" sind dann alle abgezogen. So dumm..

Notiz an Ute und Ewald: Seht ihr nun, warum ich ein gestandener Junggeselle bin? 

Naja. Der Spaßigkeit des Abends hat diese Blödelei allerdings nicht geschadet, denn ich bin mit den Jungs einfach von 11 bis 5 Uhr morgens wild auf der Tanzfläche rumgesprungen und habe weitere Interessentinnen vergrault. An die horny bois da draußen: wenn alle Stricke reißen, fahrt nach Japan und geht in einen von vielen Ausländern besuchten Club. Irgendwas findet sich sicher. Und selbst, wenn es nur die Stripperin ist, die gerade mit dem Fotografen rumknutscht:

Weitere Kuriosität des Abends: Anscheinend gibt es in diesem Club viele Leute, die entweder

a) wie formuliere ich das möglichst schamhaft und lächerlich...in getrauter Dreisamkeit gewisse körperliche Instinkthandlungen vollführen möchten und dazu eine dritte Person benötigen, oder

b) ähm...am Tresen ähnliche Handlungen wie unter a) ausführen, die jedoch die alleinige Nutzung der männlichen Fingerextremitäten benötigen, oder

c) andere Handlungen ausüben, die es erwarten lassen, dass demnächst Feuer vom Himmel regnet.

Ja.

Naja soviel zum Clubbesuch. Die Heimreise hat dann nochmal über eine Stunde gedauert, sodass ich gegen halb sieben zu Hause war und duschen konnte. Denn, um es mit den Worten einer Japanerin zu sagen: "You're fucking sweaty". That's right, girl, 'cause dät's whatcha get for being the kuhlest Sau on se Dänzfloa for 6 auas sträit. War dennoch etwas unhöflich, find ich zumindest.

Am Freitag war ich übrigens auf Sightseingtour in einem recht unbekannten Schloss ("Ikeda Castle" heißt es glaub ich) und einem buddhistischen Tempel ("Buddhistischer Tempel"). Hier ein paar Bilder:

So, da du jetzt von der neusten Lächerlichkeit weißt, verabschiede ich mich für heute.

#GG out

 

Das Gym, das frittierte Hähnchen und die Urinphiole des Schreckens

Mittwoch, 28.09.2016

Liebes Lesertier,

es gibt wieder einmal etwas zu berichten. Vorgestern habe ich noch ewigem Suchen und Zaudern endlich meine Mitgliedschaft im sog. "Tipness" Fitnessstudio in Toyonaka besiegelt. Nach zweiwöchigem Rumlungern wie ein elender Lauch in Omas Keller beim WoW-Zocken mit 17 Pizzaschachteln und einem Nachttopf (*hust Déjà-vu 14-jähriger GG (nur ohne Nachttopf) hust*) habe ich endlich eine Zweigstelle der Hall of Gain in Japan gefunden. Hier gibt es neben klassischem Pumpercrap aber auch ein richtiges Schwimmbad, ein Golffeld auf dem Dach zum Abschlag üben, Squashfelder, Whirlpools, Saunen, Massagesessel und diverse Kurse wie Ballett, was ich unbedingt ausprobieren möchte. Ein richtiges Spa für den täglichen Bedarf - brauch ich aber auch, denn schließlich wohne ich in Hades' Abort ohne Sonnenlicht, nur mit viel mehr haarenden Asiaten. Außer Hades ist Asiate. Leider ist der Spaß hundsteuer, aber ausnahmsweise will ich mal nicht klagen, denn bei der Leistung ist das auch gerechtfertigt. Viel mehr gibt's hierzu auch nicht zu sagen. Obwohl. Doch. Ich habe einen neuen Lehrling, den ich in den nächsten fünf Monaten ordentlich buff machen werde. Du kennst ihn bereits: Es ist Däne L.  Anschließend geht es von nun an gelegentlich zum Hähnchen-mit-Reis-Essen - so wie sich das gehört. Er lernt sehr fleißig und mosert nicht rum #Seitenhiebandenerstenlehrlinginst.wendel. 

Nach diesem wunderbaren Tag voller Erholung war der letzte Tag nach meiner Ankunft in Japan angebrochen, an dem ich dem Bürgeramt meine hoheitliche Anwesenheit mitteilen konnte, denn dies muss innerhalb von zwei Wochen nach Einreise geschehen. Keine Ahnung was passiert, wenn es unterlässt, aber ich nehme an, dass man mit nicht weniger als einer Freiheitsstrafe von 7 Tagen Garrywohnheim rechnen muss. Eigentlich ein Fall für die Genfer Konvention - aber nunja.

Jedenfalls begab ich mich zusammen mit Däne L zum City Office, in dem uns eine sehr freundliche, englischsprechende Japanerin begrüßte und uns Schritt für Schritt auf dem Weg zum Eiwohnertum begleitete. Leider hatte sie eine sehr dunkle, mich störende und unheimlich aussehende Stelle am rechten Schneidezahn. Das sollte dringend jemand kontrollieren. Ähm - Registrierung, genau. Der Spaß dauerte nur geschlagene zwei Stunden, nach denen auch noch ein Bankkonto eröffnet und diverse Versicherungen bezahlt werden mussten.

So sieht ein japanisches Konto aus. Mal ehrlich, Japan: Wenn dich jemand ernst nehmen soll, dann gib mir bitte kein Oldschool-Pseudosparbuch, sondern eine Bankkarte oder einen Gutschein für Harry Potters Golderbe - alles andere scheint mir ein wenig albern. Das Muster hab ich allerdings selbst gewählt - kawaiiiiiiii *hust*

Inklusive Reiseweg, Registratiterierung (?), Kindersparbuchkontoheftcheneröffnung und Versicherungszahlung hat das locker 5-6 Stunden gedauert. Kein Zuckerschlecken für einen weltmeisterlichen Prokrastinator wie mich. Danach war ich erst mal im Eimer und habe abends dann meinen neuerlichen Luxusspabereich ausgiebig genutzt.

Heute dann der Schock: Erster Unitag. Zwar noch keine Vorlesung, aber geplante sieben Stunden Orientierung und Campusführung. Vor zwei Wochen hab ich noch über die Zugselbstmörder gemeckert, aber heute...

Es war furchtbar. Haben die doch glatt einfach ihre ca. 50-seitige Präsentation, die wir vorher in einem riesigen Umschlag erhalten haben, vorgelesen. Mit ihrem grässlichen Englisch. Hach. Aber das wäre ja noch zu ertragen gewesen, wenn mich nicht durchgehend dieses widerliche, eklige, odiöse, madenverseuchte Ding von meinem Tisch aus angeglotzt hätte:

Was ist es?

Rate mal!

Genau. Eine Pinkelröhre. Ein Peepole. Der unheilige Lümmelgral. Die Seichbüchse der Pandora. Die Urinphiole des Schreckens. Goethe ist in diesem Moment der stolz auf mich. 

Die Universität will allen Ernstes, dass ich in dieses Ding uriniere und es ihr wieder zurückgebe. Ich könnte ja eine Krankheit haben, für deren Feststellung es bei Abgabe im November sowieso schon viel zu spät ist. Danke. Dabei besteht hier kein Anspruch auf Herausgabe des Urins, weil keine Vindikationslage vorliegt.

Ugh.

Ugh.

Ugh.

Immerhin weiß ich danach, dass mir nichts fehlt. Naja, das weiß ich ja jetzt schon. Schließlich reden wir hier von GG - the Man!!

or sth..

Heute Abend war ich dann noch essen mit mir bisher unbekannten Leuten außer dem Deutschen F, den du ja schon kennst aus dem "Lapin".

Wir waren in einem dieser japanischen Lokale, in dem sonst nur Japaner essen.

(random people)

Eine sehr gute Idee, denn es war sehr lecker. Ausländer finden diesen Laden meines Erachtens eher selten, weil es sich im zweiten Stockwerk eines Hauses befindet, und zumindest ein guter Europäer geht, um ins Restaurant zu kommen, keine Treppe hoch.

Eine war auch Japanerin, die bereits ein Austauschjahr in Göttingen verbracht hat. Leider war sie immer noch sehr schüchtern, sodass sich nicht viel Gesprächspotential ergab. Muss anscheinend noch an meiner Adaptionsfähigkeit arbeiten - ich bin wohl etwas zu extrovertiert für diese Crowd.

So, mein lieb Tierchen. Das war die heutige Meckerstunde. Bis zum nächsten Mal.

Dein GG

Pink in Osaka - Oder wie ich mal wieder von einem Mann begrapscht wurde

Samstag, 24.09.2016

Mein geliebtes Lesertier,

gestern Abend war ich mal wieder mit den Jungs in Osaka unterwegs, um einen zu trinken.

Cooles Gebäude gegenüber der U-Bahnstation Namba.

Da ich mich seit dieser Woche aber wieder mal auf Diät befinde, hatte ich mir vorgenommen, diesmal nicht wieder betrunken nach Hause zu kommen. Sonst wird das nie was mit dem Wettkampfgewicht.

*Spoiler: hat nicht ganz funktioniert* surprised

Abgestiegen sind wir dann in einer englischen Bar namens "HUB", in der die Bedienung zwar wieder recht freundlich, aber diesmal etwas gehetzt wirkte. Vermutlich wegen der ganzen Hetzerei. Jedenfalls kamen dauernd neue Leute, die sich platzieren wollten und wir mussten kurz warten, bis wir einen Platz in der hintersten Ecke ergattern konnten. An sich nicht der beste Ort um Japaner zu treffen, aber ich hatte vorgesorgt:

Knallpinkes Shirt. Leider hab ich vergessen, ein Bild zu machen, aber stell es dir so vor: knallpink.

Leider hat auch das nicht so recht funktioniert. Selbst in St. Wendel kann man damit mehr Blicke erhaschen. Naja. Mennoo..

Etwas ungelenk habe ich mich dann doch zu einem japanischen Whiskey breitschlagen lassen, der ziemlich eklig war.

"Black Nikka Special" hieß der Spaß. Wir haben ihn hauptsächlich aufgrund des Namens ausgewählt hahaha

An sich war die Brühe allerdings recht widerlich..Kann man echt nur einem ärmlichen Alkoholikerfisch zum drin schwimmen anbieten. Oder so ähnlich. Ja. Leider war ich nach einem recht großen Glas schon ziemlich angedudelt, da ich mangels häufigen Konsums nicht allzu viel vertrage, aber nunja.

Da die Züge nur bis 11:30 fahren, mussten wir dann aber auch schon recht früh zurück, und feiern gehen wurde von der Mehrheit der Truppe leider abgelehnt. Meh.

In Toyonaka angekommen haben wir uns dann allerdings noch in eine weitere Bar begeben wollen. Auch der Suche nach einer solchen sind wir an einem ganzen Hochhaus voll mit kleinen Kneipen vorbeigekommen, von denen eine mitunter "Girl's Bar" hieß. Etwas verdächtig...Zwei angetrunkene Männer kamen gerade aus dem Aufzug und wir fragten sie nach einer guten Kneipe. Einer von ihnen schüttelte mir recht schnell die Hand und bewegte sich doch etwas sehr betont trotz seiner offensichtlichen Trunkenheit. Er wollte uns also in eine Bar bringen, und im Fahrstuhl angelangt, spürte ich seine (hoffentlich versehentlich dort platzierten!!!) Hände an meinen Beinen und meinem Hintern...nicht das schon wieder!!!! Wenn das mit den Japanerinnen klappen soll muss ich wirklich an meiner Ausstrahlung arbeiten. Allerdings bin ich wahrscheinlich femininer als die meisten Homosexuellen, von daher sollte ich mich eigentlich nicht wundern -.- No Schwulenfeindlichkeit intended! 

Oben angekommen war es eine sehr kleine Kneipe ohne weitere Gäste, was in Japan aber recht üblich ist. Allerdings kam es mir doch etwas sehr...feminin vor, da drin. Smoothe Musik, Jazz, und naja. FYI: Die Bar hieß: Lapin...Ich vermute ja, dass es eine eher von Schwulen besuchte Bar war, aber Beweise habe ich keine. Jedenfalls hab ich mit meinem Lieblingsshirt sicher gut hineingepasst.Ugh.

Nach ein paar Drinks sind wir dann aber auch nach Hause, war ja schon spät. Übrigens bin ich jetzt großer Fan des "White Russians".

Heute war ich dann mit Däne L auf der Suche nach einem Gym, nachdem wir herausgefunden haben, dass der Kraftraum in unserem Wohnheim nur bestimmten Clubs zugänglich ist, wie z.B. American Football. Nach 25-30 Minuten Fußmarsch kamen wir dann am "Tipness" an, einem mE doch recht guten Studio. Zwar ist der Bereich für freie Gewichte recht klein, aber die essentiellen Dinge für Mad Gainz sind da, und im Zweifel vergraule ich die Lauchs einfach mit einem freundlichen Lächeln und einer Verbeugung. Allerdings ist der Spaß unverschämt teuer mit gut 70-75 Euro monatlich. Es gibt es auch ein Schwimmbad mit Whirlpool, Squashhallen, Massagesessel, Golf, Kurse und anderen Kram. Ballett würde mir gefallen, oder World Music Dance zu justin Bieber und Lady Gaga *hust*.

Naja, weiß noch nicht ob ich mich anmelde. Ist doch schon sau teuer...ugh

Ansonsten gibt es derzeit nichts Neues zu berichten, sodass ich mich bis zum nächsten Mal verabschiede.

GG

Langeweile im "Kibbuz"

Mittwoch, 21.09.2016

Wertes Lesertier,

leider habe ich dir die letzten beiden Tage nichts berichtet, weil ich nichts zu berichten habe. Ehrlich. Ich hocke derzeit auf dem faulen Hintern und lasse mich von Katakanazeichen und Mückenstichen berieseln.

Insbesondere Letztere. OK - hauptsächlich Letztere. Diese Viecher sind so rotzfrech und penetrant, dass ich am liebsten eine UN-Vollversammlung zum Abbruch der Hilfsleistungen für Moskitistan einberufen würde. Alleine gestern Nacht sind es mit Sicherheit vier mehr geworden, und ich hab nicht den leisesten Schimmer, wo diese elenden Ungetüme sich verkriechen. Meine Fenster sind schließlich durchweg zu, und die Tür auch.

"Dummer Junge! Kratz nicht an Stichen rum! Das macht es nur noch schlimmer."

"Nein, das ist falsch. Es juckt. Ich kratze. Das stimmt schon so."

Ansonsten bin ich schockiert über die unverschämten Lebenshaltungskosten. Zum Glück bezahle ich nur knapp 130€ monatliche Miete für mein Höllenloch, denn ansonsten sähe es mit den Finanzen mal richtig übel aus. So ist es eher...naja, mal schauen. Vielleicht findet sich doch noch eine reiche Firmenerbin oder wenigstens eine Sugarmommy, die meinen Bizeps fühlen will. Wäre jedenfalls ganz nett, denn wie sich herausstellt, verbrauche ich mindestens 2-4 Packungen Kimchi in der Woche. Nicht gaaaaaanz günstig. Naja. Ähm. Shit.

Immerhin habe ich heute bei meiner Suche nach einem Gym Fortschritte gemacht. Natürlich gibt es auf unserem Campus keinen Kraftraum, denn das wäre viel zu bequem. Allerdings wohl auf einem der anderen beiden, und die kann man kostenlos benutzen. Sind zwar gut 30-40 Minuten Anfahrt, aber dann kann ich endlich den Japanern "how to not be a little Lauch" zeigen. Wird auch Zeit, vielleicht machen die dann mal Klamotten, die mir passen. Alle anderen Optionen scheinen derzeit recht unzufriedenstellend, aber ich werde das mal auf mich zukommen lassen. Indem ich darauf zugehe. Schnell.

Morgen werde ich dann etwas Verwaltungsscheiße erledigen, z.B. den Gang zur Ausländerbehörde, damit die mir endlich bestätigen, dass ich kein Japaner bin. Sehr gut. Vielleicht besorge ich mir dann auch gleich mal ein Fahrrad, die man hier registrieren muss. Wie ein Auto, voraussichtlich aus Diebstahlschutzgründen...ob das funktioniert...Mal in Krakau anrufen, die kennen sich da besser aus. Kann leider auch sein, dass ich morgen wieder nichts auf die Reihe bekomme, weil angeblich Feiertag ist, wobei ich immer noch nicht weiß, was das bedeutet. Montag war auch Feiertag, und der Konbini hatte trotzdem offen. Mh.

Ich habe übrigens, nur für dich, mein lieb Tierchen, einen Rundgang über den Campus gemacht und ein paar Gärten sowie den Sportplatz abgeknipst. Die Gebäude waren leider so hässlich, dass mein Handy sie erst nächstes mal fotografieren wollte. Man muss sich immer langsam an Dinge gewöhnen.

Ein riesiges Sportfeld, auf dem quasi alles gemacht wird. Ich hab schon die Frauenlacrossefrauenschaft üben sehen. Ein lächerlicher Sport, die laufen ja gar keinem Ball hinterher, sondern tragen ihn. In einem Netz an einem Stängel. Wie ein Hobo seine Habe auf der Landstraße. Furchtbar.

Es gibt aber auch Baseball, American Football, Fußball, etc. In den Sporthallen auch übliche Hallensportarten außer Handball, weil das ja Quatsch ist. Interessant finde ich die ganzen Kampfkünste, von denen ich ein paar wenigstens einmal ausprobieren möchte. Ob ich einem Club beitreten würde, weiß ich noch nicht, da die Japaner recht strikt mit ihrem hierarchischen Gedöns sind und ich, wie allgemein bekannt, über den Dingen stehe. Also auch über der Hierarchie...wait whut? Was ich sagen wollte: Hierarchie ist doof und ich lass mir von einem Halbstarken erst mal gar nichts vorschreiben, bis er sich den nötigen Respekt verdient hat. Right. Und wenn man einen Club mittendrin verlässt wie diese 1 #Angelina diesen 1 #Brad, dann wird man von allen Seiten geshirtstormed wie dieser 1 #AndreasScheuer. Na gut, der ist aber auch ein Knallkopp.

Die Gebäude sind leider in diesem ekligen 60er-70er Jahre Betonstil gehalten (zum Großteil; die Jurafakultät zum Glück nicht. Wir sind aber auch wichtiger.)

Das war's es dann aber auch schon mit dem Bericht. Ich geh mal Zeichen üben, damit ich nicht schon wieder so elendig beim Einkaufen versage wie heute. Oder so was kaufe:

Keine Ahnung, was diese graue Pampe da unten drin war, aber sie war abartig. Shame on you, 7 eleven.

See you next time.

GG

Zwischenspiel - Just GG-things

Montag, 19.09.2016

Liebes Lesertier,

die Kontaktaufnahme mit japanischen Leuten erweist sich als sehr schwierig. Heute habe ich erstmals seit meiner Abreise aus dem Hostel mehrere Sätze auf englisch mit einem Japaner wechseln können. Doch zunächst ein kleiner Zeitsprung mit Kontext:

Mein Kumpel V., der neuste im Bunde, Däne L, und ich sind am 7 Eleven um die Ecke vorbeigekommen, um vor dem Nationalfeiertag morgen nochmal etwas Essbares ergattern zu können, nachdem wir in einer kleinen Kneipe in Toyonaka ein paar Stunden verbracht haben. Im Laufe des Abends ging es, selbstverständlich, irgendwann auch einmal um japanische Gemächtsgrößen, und wir fragten uns, ob "japanische Regenschirme auch Europäer trocken halten können oder die Schultern an der Seite rausgucken". U see what I did there, huh, huh???

Jedenfalls sind wir interessehalber im Konbini auf die Suche nach entsprechenden Artikeln gegangen, was zunächst nicht sehr erfolgreich war. Als wir versuchten, den Kassierer zu bitten, uns die Packungen zu zeigen, hat er uns wie immer nicht verstanden. Jedoch gab es glücklicherweise einen Osaka University Stundenten, der uns verstanden hatte und kichernd zu den Regalen führte. Als wir dann davor standen, war ich so begeistert, einen englischsprechenden Japaner gefunden zu haben, dass ich ihn natürlich gleich auf Facebook befrienden wollte. Leider hatte ich nicht bedacht, wonach wir ihn gerade gebeten hatten, und auch nicht, wie es rüberkommt, wenn man den armen Typen gleich anschließend voller Begeisterung um seine Kontaktdaten bittet. Vermutlich hatte er Angst, dass der Regenschirm zum Schutz vor europäischem Regen bestimmt war. Or sth...Shit.

Notiz für mich: Frag einen Japaner nicht vorm Gummiregal, ob er dein Freund sein will. Es ist seltsam.

Bis zum nächsten Mal.

Dein GG

P.S.: Die Teile sind ziemlich klein. Also die Regenschirme...or so I hear

Tag 4 in Osaka - Mit Rucksack auf dem Dancefloor

Sonntag, 18.09.2016

Hallo liebes Lesertier, 

heute will ich dir berichten, was ich gestern wieder für einen seltsamen Stuss fabriziert habe. Doch zunächst eine kurze Ergänzung zu den japanischen Klos mit Thunderboltspritzer:

Nur für dich habe ich dieses Teufelswerkzeug einmal getestet und stelle erst mal die Beschreibung meines neuen Buddys V. hier dar:

Es ist so, als ob man eine Fußmassage kriegt, und dann zwischen den Zehen berührt wird. Dort wird man nie berührt, und wenn man es dann doch mal wird, dann drehen die Nerven da total am Rad. 

...

OK, kann man so sehen. Mir kam es irgendwie - falsch - vor. Es reicht doch, wenn ich einen Apple Computer und ggf. noch andere mit den Fingern bedienbare Geräte von ihnen erwerbe. Da haben die an meinen Zehen nichts mehr verloren. Und auch nicht an meinem kniebeugengestählten J.Lo-Arsch. Das ist nicht schön, uiuiuiuiui.

Im Übrigen bin ich mir doch recht sicher, dass ich den Grund für den Watschelgang vieler Asiaten entdeckt habe: Die Eltern trichtern den Kinder diese Art zu gehen ein, weil sie bei gerader Fußstellung mit den Knien und den Füßen gegen die Kabinentür ihres Wohnheimklos stoßen würden.

So, aber nun zum gestrigen Tag. Ich habe mich mit meinem ebenfalls aus Heidelberg stammenden neuen Kumpel N. zum Shopping im sog. Den Den Town in Osaka verabredet. Da gibt es die ganzen Geek-Läden mit ihren seltsamen Figuren und dem anderen Scheiß, den keine Sau braucht. Ist trotzdem geil, v.a. weil da tatsächlich richtig viele Japaner drin rumgeistern. Dass sich Ausländer den Spaß mal anschauen kann ich ja verstehen, aber wenn das Zeug ohnehin immer verfügbar ist, ist mir der Reiz schleierhaft. Naja. Allerdings haben die Japaner ja auch ihren Po an Apple verkauft.

Hier mal ein Beispiel für eine der Shoppingstraßen in diesem Bezirk:

Jedenfalls wollten wir hier diverse Haushaltsartikel erwerben, was dann eher schlecht als recht funktioniert hat. Endausbeute:

...Maus, da ich meine vergessen habe. Proteinpulver, Shaker und Bratpfanne für den appetitlichen Gasherd. Mh.

An dieser Stelle möchte ich die japanische Sportindustrie auffordern, sofort die Preise für ihre Nahrungsergänzungsmittel zu senken. Ansonsten wird sie den gesamten Zorn meines mächtigen Blogs zu spüren bekommen!

...Elendes Gesindel...

Es ist beim besten Willen kein Wunder, dass in Japan nur Bohnenstangen rumfleuchen, wenn man für 336g Whey über 2000 Yen hinblättern muss. Einfach bodenlos, sowas.

Gut ist aber die Bratpfanne, denn sie kostete nur ca. 1000 Yen und ist so leicht, dass ich zu der Überzeugung gekommen bin, dass sie eher dazu gedacht ist, Moskitos zu zerschlagen, die es hier übrigens in Hülle und Fülle gibt. Genau wie Reis und Japaner.

Wie dem auch sei, nach unserem eher gemächlichen Shopping hat es uns in ein Irish Pub namens Blarney Stone verschlagen, in der Hoffnung, dort jemanden zum Quatschen zu finden, weil unser Freundeskreis derzeit aus insgesamt drei Menschen besteht und wir neue Leute kennenlernen wollten. Hat auch geklappt. Nur entwickelte sich dann der Abend etwas...seltsam.

Wir tranken gediegen unser 5€ 0,25 Heineken, als die Amis am Tisch nebenan das Gespräch suchten. Unsere neuen Buddys J. und C., die wir freilich nie wieder sehen werden. Nachdem wir ein bisschen mit ihnen getrunken hatten, kamen sie auf die glorreiche Idee, noch einen Club aufsuchen zu müssen. Ich war zunächst wenig begeistert, da Bratpfanne im Rucksack und so. Außerdem kurze Hosen. Außerdem den ganzen Tag im feuchtwarmen Osaka unterwegs gewesen-->da hilft auch die lange Wirkung von Old Spice nicht. Außerdem fahren die Züge nur bis 11:30. Außerdem unendlich teuer.

Aber weißt du was, liebes Lesertier? Man muss es so handhaben wie mit diesem 1 Thunderbolt Spritzer: drauf geschissen.

Wir sammelten also all unser Chakra und machten uns auf zum "Ghost", einem "Hip-Hop-Club", in dem um 10 Abends ohnehin noch nichts los war. Aber auch egal, weil wir zunächst nicht reinkamen, da C. ihre ID vergessen hat und ich zusammen mit N. 40 Minuten vor der Butze gewartet habe, damit C. und J. den Perso aus ihrer Bleibe holen konnten. Übrigens kann ich die Reisbällchen aus dem Family Mart guten Gewissens empfehlen, die sind recht lecker.

Nachdem C. und J. wieder da waren, ging es dann auch los. Versprochen wurde uns, dass sich dort fast 50% Ausländer aufhalten würden, was wohl nicht ganz zutraf. Aber egal, wir waren ja ohnehin hier, um Party zu machen. Zum Glück wurde dann C. von einem Japaner angebaggert, denn als er J.s erzorntes Gesicht sah, lud er uns gleich mal in eine sog. "Lounge" ein, in der kostenloser Whiskey herumstand und wir ein wenig socialisen konnten.

Der Japaner, C. und J. Und GG, the Man.

Und dann siehe da: Wird der GG doch glatt von einer jungen japanischen Schönheit angegraben. Kudos!

Man, da war ich stolz wie ein Kater mit Schnurrbart. Allerdings verhielt sie sich seltsam und verdampfte sehr zügig wieder, nur um 5 Minuten später nochmal anzukommen und mich zu fragen, woher ich komme. Antwort gegeben, und sie ist wieder weg. Keine Ahnung, was das für ein komisches Rumgelümmel gewesen ist, aber ich war schon zufrieden hahaha. Naja, da ich keine Ahnung von Frauen und Gedöns hab, v.a. nicht solchen in Clubs, zog es uns dann auch recht bald auf die Tanzfläche und dann zur nächsten Lokalität, nachdem uns der Japaner aus der Lounge geschmissen hatte, da "Time up". 

Als nächstes ging es in eine Bar namens "Pure", in der J., der inzwischen schon richtig Hacke war und Ansätze von Pöbelei zeigte, gleich mal das Bier auf den Boden kippte und damit direkt den nächsten Standortswechsel in einen Club, dessen Name mir nicht mehr einfallen will, initiierte. Dave and Dings. Aber auch pille, denn dieser lag in einem Hochhaus, was schon recht exklusiv wirkte. Und kaum die Tür hinein, kommt schon die nächste Interessentin, die allerdings weniger schleierhafte Signale gab, was mir natürlich Angst gemacht hat. Also schnell weg da an die Bar #ichbinsoeinweichei,opahatterecht

Mit der Story hat das Bild zwar nichts zu tun, finde es aber recht amüsant. Aber um fragen zuvor zu kommen: Wir waren nicht in einem puffartigen Etablissement! Die Alte war plötzlich einfach da. Ehrlich!

J. war inzwischen so fertig, dass C. ihn nach Hause bringen musste. Shit. Jetzt saßen N. und ich alleine da und mussten es bis zur ersten Bahn um 5 aushalten. War letztlich nicht so schlimm, weil wir einfach viele Leute angesprochen haben, mitunter einen netten Inder, der sich mit uns treffen möchte im Laufe der nächsten Woche. A likely story -.-. Was ich noch nicht erwähnt habe: während des ganzen Aufenthaltes im Dave and Dings hatten wir unsere Rucksäcke mit der Bratpfanne auf dem Rücken, und N. sogar noch seine beknackte Kappe auf. Sorry Bruh, aber das Teil ist laaaaaaaame.

Die nerdigsten Spinner im ganzen Club. Tanzen erwies sich als höchst lächerliche Angelegenheit.

Naja, um 5 ging es dann Richtung Wohnheim, dieser königlichen Spelunke. Hat dann nochmal über eine Stunde gedauert. Shit.

#dead

Jedenfalls war es ein sehr unterhaltsamer Abend, der mich nur günstige 100 Euro gekostet hat..Ups. Sorry Mama.

Wenn es so weitergeht, bin ich ratzfatz pleite, aber damit befasse ich mich, wenn es soweit ist. Also nächste Woche.

So liebes Lesertier, dann wünsche ich dir, das mein Auslandssemester auch in Zukunft bewegt bleibt.

LG GG

Meine Butze in Japan - der tiefe Fall von Herrenhaus zu Haus mit Herren und ekligem Zeug

Samstag, 17.09.2016

Sei gegrüßt, liebes Lesertier!

Nachdem ich mich endlich aufraffen konnte, das Wohnheim zum Zwecke von Bildern abzulatschen, folgt nun eine weitere Stilhöhe der Kleinkunst.

Im Rahmen des Austauschprogramms wurde allen Austauschstudenten ein Platz in einem der Universitätswohnheime garantiert, von denen wir eine Prioritätenliste machen konnten, die bei einigen berücksichtigt wurde. Ich habe mir das Seimei Dormitory ausgesucht. Der Spaßschuppen liegt ca. 3 Minuten vom Toyonaka Campus entfernt, hat einen 24-Stunden-Konbini um die Ecke, die größten Zimmer aller Wohnheime und kostet absurd billige 14,900 YEN im Monat (ca. 130 €). OK, jetzt hätte ich skeptisch werden sollen, aber die Aussicht, mir einen Trip nach Okinawa leisten zu können, hat wohl das mir eigene Misstrauen weggeblasen wie diese 1 Windböe diesen 1 kleinen Japaner.

Vielleicht sollte ich die Kriterien erwähnen, nach denen ich das Wohnheim ausgesucht habe:

1) kein internatioles Wohnheim, denn ich will nicht "Erasmus in Japan" machen, sondern tatsächlich mit mehr als Konnichi ha und Bukkake aus Japan zurückkehren

2) Zimmergröße

3) am wichtigsten: Campusnähe

Hab ich alles gekriegt. Ja. Naja. Ähm. Ugh. Leider habe ich andere Faktoren nicht so berücksichtigt, sodass ich in einem reinen Männerwohnheim hause. Besucher dürfen nur ins "Foyer", d.h. den Eingangsbereich, in dem 3 Tische mit Stühlen stehen. Für einen Frauenhelden wie mich natürlich ein schwerer Schlag *hust x 10000*..selbst wenn man mal ohne Ironie herangeht, ist das doch eine recht strikte Regelung. Da eine Kamera auf die Eingangstür gerichtet ist, wüsste ich auch nicht, wie man den Spaß ohne Weiteres umgehen könnte.

Leider ist das nicht das Übelste an der Butze hier. Beginnen wir mit den Toiletten/Waschraum (was hier quasi das gleiche ist, da keine schließbare Tür):

 

(Traditional Japanese Squad Crapper...or sth..)

Das bedarf wohl keiner Erklärung, da bekannter als fast alles aus Japan: Toilette mit Soundeffekten und liquider Abputzanlage, um insbesondere weiblichen Geschöpfen die Scham zu ersparen, gegebenenfalls gehört zu werden. Dieses Exemplar hat offensichtlich schon die neuen Apple Kopfhörer verbaut. Die machen anscheinend nicht nur Wassergeräusche, sondern auch einen Wasserstrahl, der einem den Allerwertesten blitzeblank spritzt. Apple hat die Namensgebung mit "Thunderbolt Pott" schon sehr treffend angestellt.

Ansonsten dachte ich ja immer, in Japan gehe es sehr reinlich zu. Wie sich jedoch zeigt, ist die Eigenschaft "mit männlichem Geschlechtsteil" weltweit ein anerkanntes Erkennungsmerkmal für eine in Wohnheimen mehrheitlich, sagen wir mal, eklige Lebenshaltung. Und damit meine ich nicht einen Papierhaufen auf dem Schreibtisch, sondern die diversen Rasierer, die rotzfrecherweise einfach so im Duschhaus (ein extra Gebäude) rumliegen und nur darauf warten, den pretty German boy mit diversen Krankheiten zu infizieren.

   (Keine Ahnung, wo man hier gefahrlos seine Sachen ablegen kann, ohne sich den Tripper mit ins Zimmer zu schleppen...I tripped over a tripper muhaha)

Auch habe ich eine tote Tigermücke neben dem Pissoir gefunden. Sollte man mich also für mehr als 1-2 Tage nicht erreichen können, ruf den Notarzt in Japan an und sag ihm, dass ich bitte wegen Blut im Stuhl aufgrund von Dengue-Fieber abgeholt werden möchte. Bäh.

Positiv sollte ich hervorheben, dass die Klimaanlage in meinem Zimmer gut funktioniert, wenn auch etwas laut. Außerdem gibt es ein recht reinliches und schönes Japanese Style Bad, in dem ich meine gigantische, westliche Männlichkeit den neidischen Asiaten vorführen kann. Anschließend kann man dann entspannt Bridget Jones gucken..

Auch gibt es einen großen, reservierbaren Gruppenraum mit Beamer und Leinwand sowie diversen Anschlussmöglichkeiten für Computer und in jedem Raum einen recht tauglichen Internetanschluss. Aber das beste sind diese krassen Vending Machines, an denen man unzählige Getränkesorten sowie diverse Packungsramen und anderes Standardessen ziehen kann. 

Beispiel:

Es gibt sogar Sim-Karten aus dem Automaten. Man sollte die Dinger in Deutschland auch einführen. Denn bei uns gibt es auch die passenden Mülleimer an öffentlichen Plätzen, in denen man Reste wie leere Flaschen oder tote Katzen beseitigen kann. Haben die wohl schlicht vergessen, aber man kann auch nicht an alles denken.

Was ich noch zeigen sollte, ist die Gemeinschaftsküche. Für einen Dauerkoch wie mich ist das besonders unangenehm:

Ich weiß beim besten Willen nicht, wo ich

a) meine Tupperdosen aufbewahren KANN und

b) irgendwelche Zutaten lagern WILL. Da drinnen wachsen Dinge, die bald ein eigenes Bewusstsein entwickeln. Das Ende der Menschheit wird nicht von Computern, künstlicher Intelligenz oder einem Vulkanausbruch eingeläutet, sondern von einem jahrelang vor sich hin gammelnden Stück Fisch, der in den Geschichtebüchern der Zukunft als "Salmoforelle" bezeichnet wird (*hust*).

Mh, das ist wohl ein Gas"herd". Jedenfalls kommt Feuer raus, das man im Zweifel löschen muss. Erinnert mich an die spritzenden Applekopfhörer..

Mein Zimmer wird in einem anderen Beitrag noch gezeigt werden, wenn ich ganz entpackt habe. Ansonsten war es das an dieser Stelle.

Bis zum nächsten Mal, liebes Lesertier

GG

Wirrer Post aus dem japanischen Zug am Ankunftstag

Freitag, 16.09.2016

Liebes Lesertier,

das Abenteuer Japan beginnt! Mit viel Optimismus und wenig Japanischkenntnissen sitzt es sich recht kafkaesk im Zug unter Einheimischen. Ich glaube, es ist recht gut, hier nicht zaghaft zu sein...sonst sitzt man nach der Ankunft erst mal 4 Stunden am Flughafen. Dabei probiert man dann gleich mal die japanische Cuisine:

 (Na gut, Flughafenessen ist nicht gleich japanische Cuisine)

Auch ist es gut, den Einzug ins Wohnheim mit dem Ankunftstag abzustimmen, denn sonst muss man ohne Plan schnell noch eine Bleibe für die Nacht suchen....zum Glück ist mir dieser Fehler nicht unterlaufen ..*hust*..

1. Anmerkung: mit großem Hintern und breiten Schultern sitzt es sich verflixt unbequem in diesen Zügen
2. Anmerkung: lauter hübsche Frauen hier, die bei Chatpausen mithilfe der Frontkamera das Make Up wieder richten. Leider sieht man von dem Lippenstift nicht viel, wenn du beim Lachen immer die Hand vor den Mund hältst @Girl, das sich auf dem Platz gegenüber meiner erlauchten Präsenz scheinbar einen Chatmodenschaulaufsteg errichtet hat... scheint mir wie ein Denkfehler, but oh well... wer nicht mal die Zeichen auf dem Bahnsteig entziffern kann und daher auf gut Glück herumkurvt, sollte andere Prioritäten haben.
3. Anmerkung: vielleicht irre ich mich aber auch..hrhrhr
4. Anmerkung: Erklärung dafür, dass Asiaten nicht nach Schweiß riechen, gefunden: hier ist es SO SCHWÜL, dass man vor Gestank glatt umkippen würde.

Leider habe ich mich dann (leider typisch) auch noch verlaufen. Immerhin nicht verfahren. Nachdem ich im Osaka Stadtteil Fukushima (nicht dort wo die Leute 3 Arme und 17 Zehen haben) angekommen bin, in dem sich mein Hostel befand, ist mein Handyakku 10 Laufminuten vor Erreichen meines Ziels abgeschmiert. So eine scheiße..

Bin dann mit 50 Kilo Gepäck, die ich ohnehin schon den ganzen Tag rumgeschleppt habe, noch eine Stunde wild durch die Nachbarschaft geirrt, bis ich auf dem Gehweg den Laptop ausgepackt habe und ewig warten musste, bis genug Energie drauf war, um Maps doch noch kurz bemühen zu können. Hat nur 3 Anläufe gebraucht!!

Notiz für mich: Bessere Koffer kaufen für's nächste Mal. Und vielleicht 'ne Powerbox, denn selbst der dickste Bizeps bringt kein Smartphone zum Laufen.

So viel dazu.

#GG out

 
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